Pluto liegt Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt und ist so kalt, dass Stickstoff dort zu Eis gefriert. Trotzdem könnte sich unter seinem berühmten herzförmigen Gletscher Sputnik Planitia zeitweise flüssiger Stickstoff bilden. Darauf deuten dunkle Linien und Flecken in Aufnahmen hin, die die Raumsonde New Horizons 2015 und 2016 zur Erde funkte.
Das Forschungsteam um den Planetenwissenschaftler Alan Stern verglich diese Muster mit Satellitenbildern des grönländischen Eisschilds. Dort entstehen ähnliche dunkle Strukturen, wenn Wasser Schnee und Eis benetzt. Stickstoffregen scheidet auf Pluto wegen der extremen Temperaturen und des geringen Atmosphärendrucks als Erklärung aus. Die Forschenden vermuten deshalb, dass Flüssigkeit von unten durch Risse in den kilometerdicken Gletscher aufgestiegen sein könnte.
Computermodelle zeigen einen möglichen Weg: Unter Druck und mechanischer Belastung kann Stickstoffeis an der Gletscherbasis schmelzen. Durch schmale Kanäle könnte der flüssige Stickstoff nach oben gedrückt werden und an der Oberfläche kurz über leichte Gefälle laufen, bevor er wieder gefriert. Die auffallend junge, nahezu kraterfreie Landschaft spricht dafür, dass sich Sputnik Planitia bis heute verändert.
Ein direkter Nachweis ist das noch nicht. Weder eine Sonde noch ein Messgerät hat die vermutete Flüssigkeit vor Ort untersucht; die Aussage beruht auf Oberflächenformen, Vergleichen und Modellrechnungen. Gerade deshalb ist das Ergebnis so spannend: Selbst ein scheinbar vollständig gefrorener Zwergplanet könnte geologisch beweglicher sein, als sein Äußeres vermuten lässt.
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